Welche Auswirkungen hat es, dass Reutlingen am 3. Mai 2012 zur "Fair Trade Stadt" erklärt wurde? Das wollten die Mitglieder des Eine Welt Vereins Reutlingen wissen und luden Hartmut Queisser als Referenten zu ihrer Mitgliederversammlung am 19.11.2012 ein. Herr Queisser ist Leiter des Hauptamtes der Stadt Reutlingen und Vorsitzender der Steuerungsgruppe, die zunächst die Bewerbung der Stadt um den Titel und dann die Umsetzung der damit eingegangenen Verpflichtung koordiniert.

Queisser erinnerte an die Beschlüsse des Verwaltungsausschusses und des Gemeinderates von 2004 und 2008, die einen Kauf von Produkten aus ausbeuterischer Kinderarbeit verhindern und die Beschaffung von fair gehandelten  Waren einleiteten sollten. Die Verpflichtungen, die mit dem Titel Fair Trade Stadt eingegangen werden, gehen weit darüber hinaus. Sie umfassen auch die Tätigkeit von Schulen, Kirchengemeinden und Vereinen, von Einzelhandel und Gastronomie, deren Vertreter daher auch in der Steuerungsgruppe mitarbeiten.

Die Stadt selber will mit gutem Beispiel vorangehen. Das gilt nicht nur für den im Rathaus ausge­schenkten Kaffee und Tee. In vielen Bereichen beschafft die Stadt zertifizierte faire Waren (z. B. Früchte für die Verpflegung in Kindertageseinrichtungen, Spielwaren, Möbel). Die Stadt ist mit dem Handel im Dialog, um den Zielen einer fairen, ökologischen und nachhaltigen Beschaffung nachzukommen, z.B. bei der Dienst- und Schutzkleidung  für die technischen Betriebe und die Feuerwehr, bei Sportbällen für die Schulen oder beim Einkauf von Steinen. Wie kann verhindert werden, dass Grabsteine aufgestellt werden, die aus Steinbrüchen in Asien stammen, in denen Kinder unter höchst gefährlichen Bedingungen arbeiten, statt eine Schule zu besuchen? Hierüber ist die Stadt mit der Steinmetz-Innung im Gespräch. Auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Fairtrade Städten ist hilfreich.

Queisser dankte den Mitgliedern des Eine Welt Vereins für ihre aktive Unterstützung der Umsetzung der Fairtrade-Stadt-Verpflichtungen, z.B. bei der Umfrage, in welchen Läden fair gehandelte Waren und in welchen Gaststätten Speisen mit fair gehandelten Zutaten angeboten werden. Daraus erwuchs der von der Stadt gedruckte Faire Einkaufsführer. Die Reutlinger Stadtschokolade wird jetzt auch den offiziellen Besuchern im Rathaus angeboten und beim Stadtmarketing verwendet. Besonders erwähnte er das Bildungsangebot "Weltladen macht Schule" des Eine Welt Vereins, das Kinder und Jugendliche mit den Prinzipien des Fairen Handels vertraut macht.

Manfred Möller, der Vorstands-Vorsitzende des Eine Welt Vereins, versicherte dem Vorsitzenden der Steuerungsgruppe, dass der Eine Welt Verein auch in Zukunft für eine fair und ökologisch ausgerichtete Wirtschaft eintreten und über den Weltladen beispielhaft verwirklichen wolle.